
Determinanten der Genomstabilität bei der Spalthefe Schizosaccharomyces pombe
Die
präzise Verdopplung des genetischen Materials und dessen anschließende
korrekte Verteilung auf die zwei Folgezellen sind essentielle
Eigenschaften eines jeden eukaryotischen Zellzyklus, welche die
erfolgreiche Weitergabe der genetischen Information an die nächste
Generation gewährleisten. Eine unpräzise DNA-Verteilung und der damit
oft einhergehende Verlust oder Zugewinn ganzer Chromosomen
(Aneuploidie) führt nur in Ausnahmefällen zu lebensfähigen genetischen
Konstitutionen, welche dann zumeist schwere Abnormalitäten aufweisen.
Eine Vielzahl an Krankheiten, wie z.B. bestimmte Tumorarten oder das
Down-Syndrom beim Menschen sind auf eine Fehlverteilung des
chromosomalen Materials zurückzuführen. Neueren Studien zufolge wird
Aneuplodie unter anderem auch mit der Alzheimer-Krankheit und der
menschlichen Alterung in Verbindung gebracht. Aus diesen Gründen
leistet die funktionelle Analyse der genetischen Stabilitätsmechanismen
einer eukaryotischen Zelle einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der
molekularen Prozesse, die zur Fehlfunktion der Zelle und letztlich zum
entarteten Zellwachstum führen.
Die Analyse des Chromosomenzyklus
ist in höheren Eukaryoten nur bedingt durchführbar. Daher wurden solche
Arbeiten schon seit mehreren Jahren in den beiden AscomycetenSaccharomyes cerevisiae undSchizosaccharomyces pombe
durchgeführt, die sich aufgrund ihrer leichten Handhabbarkeit und ihrer
sehr gut entwickelten genetischen Systeme hervorragend als
Modelleukaryoten für das Studium solcher fundamentalen zellbiologischen
Prozesse eignen. Viele Genprodukte unterschiedlichster Funktion sind
evolutionär konserviert in Hefen und höheren Eukaryoten. Zum jetzigen
Zeitpunkt haben ein Viertel aller positional klonierten Gene, die für
die unterschiedlichsten humanen Erkrankungen verantwortlich sind, ein
homologes Gen in der Hefe-Datenbank. Die Funktion solcher Genprodukte
läßt sich in Hefe viel einfacher aufklären als in höheren Eukaryoten.
So wurde mit dem Modellsystem Hefe ein entscheidender Beitrag zur
Aufklärung der Regulation des eukaryotischen Zellzyklus geleistet. Auch
die molekularen Ursachen verschiedener Humanerkrankungen wie zum
Beispiel Ataxia telangiectasia und HNPCC wurden durch die Analyse des
homologen Hefegens transparenter gemacht.
Die Identifikation von
neuen Hefekomponenten, die für die präzise Aufteilung des genetischen
Materials auf Mutter- und Tochterzelle benötigt werden, verhilft zu
einem besseren Verständnis der eukaryotischen Chromosomensegregation.
Die Spalthefe eignet sich hierfür besonders gut, da einige
Charakteristika, die für die Mitose in höheren Eukaryoten benötigt
werden wie z.B. die Chromosomenkondensation, das Vorhandensein einer
Metaphasenplatte und die Anwesenheit einer mitotischen Spindel nur
während der Mitose, auch inS. pombe zu finden sind.
Des weiteren ist das Genom vonS. pombe
sequenziert und in einer öffentlichen Datenbank zugänglich. Auch die
leichte genetische Handhabung macht die Spalthefe als Modellorganismus
äußerst attraktiv. So kann die genomische DNA vonS. pombe Zellen sehr effizient mittels homologer Rekombination Basenpaar-genau verändert werden.
Diemal-Gene
Wir haben daher ein genetisches System inS. pombe
entwickelt, mit dem Genprodukte identifiziert werden können, die an den
unterschiedlichsten Aspekten der Chromosomensegregation und ihrer
Regulation beteiligt sind. Basis des Testsystems ist einS. pombe
Stamm, der neben den drei endogenen Chromosomen ein weiteres, nicht
essentielles, mit einem Selektionsmarker versehenes Minichromosom
trägt. Der Verlust des Minichromosoms macht sich durch einen
Farbwechsel von weiß auf rot bemerkbar, so daß die Frequenz roter
Sektoren in einer weißen Kolonie die genetische Stabilität des
zusätzlichen Chromosoms anzeigt. Dieser Stamm wurde als Ausgangsstamm
für den Screen eingesetzt und bis dato wurden 25 Mutantenstämme
isoliert, sogenanntemal Stämme, die einen bis zu 400fach erhöhten Verlust des Minichromosoms zeigen.
Drei diesermal
Mutanten wurden bis dato analysiert. Bei Mal2p handelt es sich um ein
neues, essentielles Kinetochorprotein, das für die präzise Segregation
des genetischen Materials auf die beiden Folgezellen benötigt wird
(Fleig et al.,1996; Jin et al., 2002). Das mit Mikrotubuli assoziierte
Protein Mal3p wird sowohl für das Interphasenmikrotubulizytoskelett als auch für den Aufbau der mitotischen Spindel benötigt und beeinflußt die Mikrotubuli-Dynamik(Beinhauer et al., 1997).
Mal3p stellt das funktionell homologe Protein des humanen Proteins EB1 dar, das mit dem Tumorsuppressor-Protein APCin vivo interagiert (Beinhauer et al., 1997).
Das dritte von uns untersuchte mal Gen,mal25l*, kodiert für dieS. pombe RAN GTPase Spi1p, für die wir zum ersten Mal einein vivo Rolle bei der Integrität von Mikrotubuli nachweisen konnten (Fleig et al., 2000).
Dienstag, 16. 03. 2010
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Letzte Änderung: 02.11.2008, 13:42



